Mindset & Spirit

“Ich will leben!” – Wie der Tsunami 2004 mein Leben verändert hat

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Lange habe ich überlegt wie ich diesen Artikel schreiben kann. Wie ich das, was ich zu sagen habe, möglichst verständlich rüber bringen kann.

Ich kann dir sagen: Es fällt mir nicht ganz leicht das alles nach außen zu tragen.

Nicht weil mich meine Geschichte so sehr schmerzen würde. Nein, dazu habe ich all das schon viel zu sehr aufgearbeitet. Durchlebt. Gefühlt. Losgelassen. Wieder und wieder. Vielmehr ist es aber das erste mal, dass ich öffentlich so detailliert von meiner eigenen Geschichte erzähle. Das erste Mal, dass ich dir direkt von diesem Erlebnis erzähle, das der Startschuss war für alles, was danach kam in meinem Leben. 

thismindful life Mut

Warum der 26.12.2004 wie mein zweiter Geburtstag ist

Gestern vor  genau 14 Jahren, also am 26.12. 2004 habe ich den Tsunami in Thailand mit – und überlebt. An diesem Tag hat sich mein Leben komplett verändert, denn ich verlor an diesem Tag nicht nur meine Familie, sondern fing auch ein völlig neues Leben für mich an. Es war der Tag an dem ich plötzlich erwachsen wurde und der Tag, den ich rückblickend als meinen zweiten Geburtstag bezeichnen würde.

Meine Eltern, mein kleiner Bruder und ich verbrachten unseren Urlaub über Weihnachten an dem paradiesischen Fleckchen Khao Lak in  Thailand. Ein Traum für meine Eltern, der endlich in Erfüllung gegangen zu sein schien. Wir hatten einen wundervollen Bungalow direkt am Strand. Ich erinnere mich daran, dass wir wunderschöne Tage in Thailand verbrachten, bevor diese riesige Flutwelle Südostasien erschütterte. Nirgendwo in Thailand war die Zahl der Todesopfer durch den Tsunami größer als in Khao Lak, soweit ich weiß. Auch meine Eltern und mein Bruder starben in dieser Flut und das kleine 10-jährige Mädchen, das ich damals war, verlor seine Familie an diesem Tag.

Ich selbst überlebte und schaffte es durch die Hilfe vieler hilfsbereiter Menschen, bis auf ein paar leichte Verletzungen, unversehrt nach Deutschland zurück. Als uns die Welle erfasste, waren wir gerade in unserem Bungalow am Strand. Obwohl mein Vater sich schützend vor mich stellte und ich mich so fest ich nur konnte an ihn krallte, wurden wir auseinander gerissen und ich mit dem Wasser fortgespült. Die Wassermassen drückten mich immer und immer wieder nach unten, doch ich schwamm unermüdlich nach oben an die Oberfläche.

 

Als ich so unter Wasser gedrückt wurde, schien die Zeit im Zeitraffer zu vergehen und dieser Moment kam mir wie eine Ewigkeit vor. In meinem Kopf tönte das Lied “Perfekte Welle” von Juli nach, das ich in diesem Sommer so viele Male gehört hatte. “Siehst dein Leben wie ein Film, kannst nicht glauben, dass sie bricht”… Nie hatte ich den Text besser verstanden, als in diesem Augenblick. Doch je mehr ich die Gefahr zu begreifen begann, der ich ausgesetzt war, umso lauter wurde der eine Gedanke in meinem Kopf:

“Ich will leben! Ich will nicht sterben! Ich will leben!”

 

"Ich will leben!" - Das Mantra meines Lebens

“Ich will leben! Ich will leben!”, damals sagte ich es vor mich hin wie ein Mantra. Und tatsächlich hörte die Flut nach und nach auf und ich konnte mich schließlich an einem Baum festhalten.

Wenn ich diese Geschichte erzähle, bekommen die Menschen meist feuchte Augen und bekunden mir ihr Beileid für dieses traurige Schicksal. Für diesen großen Verlust, den ich erlitten habe. Ich selbst betrachte meine Geschichte mit anderen Augen. Sicher – 14 Jahre sind eine lange Zeit und bestimmt wirst du verstehen, dass der Alltag auch mich seither schon lange wieder eingeholt hat. Nicht jeden Tag denke ich an diese Katastrophe zurück, die mein Leben veränderte. Natürlich nicht. Auch mein Leben ging eines Tages weiter und heute werde ich kaum noch gefragt, “wie das damals eigentlich alles so gewesen ist”. Doch an einer Sache habe ich seither keinen Zweifel mehr: Alles geschieht aus einem bestimmten Grund. Und ich bin absolut überzeugt davon, dass ich diesen Tsunami deshalb überlebt habe, weil ich noch eine Aufgabe zu erfüllen habe.

Die Worte “Ich will leben!” sind seither zu meinem Mantra geworden und sie haben mich immer wieder aufs Neue geprägt. Der Tsunami hat meinen Lebenswillen geschürt und Meditation und Achtsamkeit helfen mir dabei, mich immer wieder daran zu erinnern, dass ich in dieser Welt etwas bewirken möchte. Dass ich dieses “zweite Leben”, das mir geschenkt wurde, nutzen möchte, um meine Botschaft mit der Welt zu teilen:

Tsunami

Was ich durch diese Katastrophe lernen durfte

Jede Lebensgeschichte hat ihre Höhen und Tiefen. Manche Tiefen sind vielleicht tiefer als andere und manche Höhen sind höher, doch wir alle durchleben Zeiten der Dunkelheit und Zeiten des Lichtes. Das ist völlig in Ordnung so, denn so ist das Leben. Worauf es wirklich ankommt ist, was wir aus diesen Herausforderungen machen, die uns das Leben gibt. Denn jede Herausforderung, der wir in unserem Leben begegnen, ist dafür da um uns wachsen zu lassen. Nur wir selbst können letztlich entscheiden, wie wir die dunklen Momente in unserem Leben betrachten. Du entscheidest, ob du eine Herausforderung als Geschenk betrachtest, an dem du wachsen und dich entfalten kannst, oder ob du dich davon abhalten lässt, dich klein fühlst und aufgibst. Ich für meinen Teil entscheide mich jeden Tag neu dafür, dem Leben zu vertrauen und dankbar zu sein für jeden Augenblick meines Lebens – möge er noch so dunkel sein.

Einfach ist das sicher nicht, das behauptet keiner. Doch ist es für mich keine Option mehr, dieses Geschenk zu vergeuden, das sich Leben nennt.

Ich habe viel zu deutlich erkannt, dass dieses Leben, das wir führen, eines Tages vorbei sein wird und was dann zurückbleibt, sind die Chancen, die Erfahrungen und die Herausforderungen, die wir genutzt haben. Es sind die Momente, die wir gelebt haben, die am Ende zählen und nicht die, die wir auf der Ersatzbank verbracht haben. Also lebe. Lebe wild und mutig, nutze jeden Tag, um das großartige Leben zu erschaffen, das du dir wünschst. Sieh jede Herausforderung, die dir begegnet als Geschenk daran zu wachsen und mehr über dich selbst zu erfahren. Das Leben ist kostbar – das durfte ich lernen – also werde ich es nutzen dieses Geschenk. Ich bin die Autorin meines eigenen Lebens und ich bin es, die meine Geschichte erzählt.

Und ich hoffe, dass letzten Endes auch du davon profitierst und deine eigene Geschichte in die Welt hinausträgst.

 

Dabei wünsche ich dir von Herzen alles Liebe!

Spread your story!

 

P.S. Schreib mir gerne in die Kommentare, was du aus meiner Geschichte mitnehmen konntest und welche Herausforderungen dir schon begegnet sind, an denen du wachsen und reifen konntest. Ich bin sehr gespannt und danke dir von Herzen für dein Sein!

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2 Gedanken zu „“Ich will leben!” – Wie der Tsunami 2004 mein Leben verändert hat

  1. Liebe Giulia! Von Herzen danke, für deine Geschichte. Auch ich habe feuchte Augen bekommen, als ich sie las. Aus Betroffenheit und Mitgefühl aber auch, weil sie mich persönlich angesprochen hat – zu mir gesprochen hat.
    Ich mache mich oft klein und habe manchmal Angst vor dem Leben. Dieser Satz „Ich will leben“ ist aber auch in mir. Heute wird er durch deine Geschichte wieder lauter. Nun richte ich mich auf und gehe weiter meinen Weg. Danke!

    1. Liebe Melanie,

      ich danke dir von Herzen für deinen lieben Kommentar! Es freut mich sehr, dass meine Geschichte dir weiterhelfen konnte. Es ist meine Vision Menschen daran zu erinnern, dass in jedem von uns diese Kraft steckt, die uns dabei hilft alle Stürme zu überstehen. Auch ich muss mich selbst immer wieder daran erinnern und habe manchmal Angst vor dem nächsten Schritt, aber ich lerne immer mehr mich davon nicht abhalten zu lassen. Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe auf deinem Weg!

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