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Von Verlusten und Geschenken – was wir aus unserer Trauer lernen können

Lange war es still um mich und sicher fragst du dich warum. In der Vergangenheit habe ich bereits ein paar Mal betont, dass es mir wichtig ist so authentisch wie möglich zu sein. Das bedeutet aber auch, dass ich mich einfach einmal ausklinke und du vielleicht eine Weile nichts von mir hörst, wenn Zeiten und Situationen kommen, die mich besonders beschäftigen oder herausfordern und in denen ich meine ganze Aufmerksamkeit benötige. Authentisch zu sein bedeutet für mich auch, sich in den richtigen Momenten zurückzuziehen und zu sammeln. Ich bin der Meinung wir alle sollten uns in besonders herausfordernden Lebenssituationen  die Zeit zur Kontemplation nehmen, wenn wir das Gefühl haben, wir brauchen gerade Zeit für uns selbst.

Da du nun also schon länger nichts mehr von mir gehört hast, vermutest du vielleicht schon, dass ich mich aktuell in einer Lebensphase befinde, die meine volle Aufmerksamkeit  benötigt.  Natürlich möchte ich dich auch an dieser wichtigen Phase in meinem Leben teilhaben lassen und meine Erkenntnisse und Gedanken mit dir teilen.

Was mich aktuell beschäftigt

Vielleicht kennst du diese Phasen im Leben, in denen einfach alles zusammenkommt und man auf vielerlei Weise gefordert wird. Ich denke es sind diese Phasen, in denen uns vom Leben die größten Chancen gegeben werden, um zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. In einer solchen Phase befinde ich mich gerade und dadurch fühle ich mich gerade auf vielerlei Weise gefordert.

Vorab möchte ich dir aber sagen, dass ich sehr sehr dankbar bin für die Möglichkeiten, die mir das Leben gibt, um mich weiterzuentwickeln - denn um diese Möglichkeit hatte ich die Monate zuvor gebeten. Auf welche Weise diese Möglichkeiten für Wachstum sich uns zeigen, können wir nicht immer beeinflussen und dennoch bin ich der Überzeugung, dass das Leben immer für uns ist.

In einem anderen Beitrag habe ich dir bereits davon erzählt, dass ich sehr früh meine Familie verloren habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich zehn Jahre lang  bei meiner Oma und meiner Tante gelebt. Meine Oma spielte seither in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle. Umso betroffener war ich, als sie vor kurzem sehr plötzlich verstarb.

Ihr Tod wühlte in mir viele Themen, Gefühle und Gedanken erneut auf, die aktuell sehr wichtig für mich zu sein scheinen. Ich habe in den letzten 13 Jahren einige Erfahrungen mit den Themen Tod und Verlust, aber auch mit dem Leben und seinen Geschenken, sammeln dürfen. Es sind eben solche Herausforderungen, in denen wir unsere eigene Stärke und Herzens-Weisheit erkennen und daran wachsen können, wenn wir es nur zulassen.

Hab keine Angst vor Beistand in der Trauer

Da Themen wie Tod und Verlust leider sehr negativ behaftet sind, möchte ich dir in diesem Beitrag einmal eine andere Sichtweise anbieten, die dir dabei helfen kann, mit Verlusten in deinem Leben besser klar zu kommen. Mit den folgenden  Erkenntnissen gebe ich dir Einblick in meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Tod. Es handelt sich dabei nicht um eine therapeutische Methode oder ähnliches und wenn du das Gefühl hast, dass es dir sehr schwer fällt mit einem Verlust in deinem Leben umzugehen, rate ich dir dazu, Hilfe z.B. in Form eines Therapeuten aufzusuchen. Trauer ist ein sehr starkes Gefühl, das uns manchmal sehr schwer aus der Bahn werfen kann. In solchen Situationen ist es ratsam, sich der Herausforderung nicht allein zu stellen, sondern professionelle Hilfe hinzuzuziehen.

 

 

Was wir aus Verlusten lernen können

Alles im Leben - jede Erfahrung - hält eine Erkenntnis für uns bereit. Die Kunst ist es, das "Geschenk" in jeder Erfahrung zu entdecken, möge sie auch noch so schmerzhaft sein. Insbesondere beim Thema "Verlust" fällt es uns oft schwer einen Sinn hinter den Geschehnissen zu erkennen, denn häufig überwiegt der Schmerz und wir nehmen nur noch ihn wahr.

In diesem Artikel möchte ich dir 5 der Weisheiten mit auf den Weg geben, die mir in den vielen Trauerphasen, die ich in meinem Leben bereits hinter mir habe, geholfen haben.

1. Nimm deine Trauer wahr

Insbesondere die erste Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen, stellt für uns eine große emotionale Herausforderung dar. Abschied zu nehmen von einem Menschen bringt in uns allen oft tief verborgene Emotionen zum Vorschein - Gedanken kommen hoch, gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse und man beginnt sich Gedanken über das "Große Ganze" zu machen. Diese Zeit des Abschieds, des Innehaltens und Trauerns ist besonders wichtig. Falls du in einer solchen Phase deines Lebens steckst, dann nimm dir bitte die Zeit, dich bewusst um dich selbst zu kümmern und dir Zeit zu nehmen, um zu weinen und nachzudenken und die gemeinsam verbrachte Zeit zu würdigen - die guten, aber auch die weniger schönen Momente.

2.  Alles geht immer irgendwie weiter

Wenn wir in Trauer sind, neigen wir dazu, nichts anderes mehr wahrzunehmen als unseren Schmerz. Wir denken, die Welt müsste anhalten und dürfte sich nicht mehr weiter drehen, ohne diesen einen Menschen, der uns so viel bedeutet hat. Meiner Erfahrung nach ist es wichtig durch diese Zeit tiefer Trauer zu gehen und sie zu würdigen, doch mache dir auch bewusst, dass alles immer irgendwie weiter geht - auch wenn es dir jetzt vielleicht nicht so vorkommt.

Das Leben besteht aus Veränderung und stetigem Wachstum - das bedeutet, dass neue Dinge entstehen und andere Dinge vergehen dürfen, wenn es an der Zeit für sie ist. Vergänglichkeit ist ein Teil des Lebens - und auch wenn wir nicht immer genau wissen, warum  die Dinge so geschehen wie sie geschehen, so ist das Leben doch immer für uns und alles geschieht zur rechten Zeit. Du hast zu jeder Zeit in deinem Leben die Wahl, dich für oder gegen das Leben zu entscheiden - egal was um dich herum geschehen mag. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich gleich drei geliebte Menschen auf einmal verloren und dennoch ging mein Leben irgendwie weiter. Seit damals entscheide ich mich bewusst immer wieder dafür zu leben und jeden einzelnen Tag meines Lebens zu genießen. Auf irgendeine Weise  - und davon bin ich überzeugt - sind wir alle miteinander verbunden.

3. Wir sind immer miteinander verbunden

Auch wenn Menschen diese Welt verlassen, bleibt immer etwas von ihnen zurück. Wenn du denkst mit Spiritualität nicht viel anfangen zu können und dir diese Worte etwas befremdlich vorkommen - lass mich erklären wie ich es meine:

Jeden Tag begegnen wir Menschen, manche bleiben etwas länger in unserem Leben, manchen begegnen wir nur flüchtig. Diejenigen, die wir näher kennenlernen, hinterlassen eine Spur in uns und wir nehmen bestimmte Eigenschaften von ihnen in unser Herz und unser Leben auf, denn wir treten immer in Wechselwirkung zu den Menschen, denen wir begegnen. Diese Spur eines Menschen lebt in all denen weiter, denen er im Laufe seines Leben begegnet ist und sein Lebenswerk bleibt für immer erhalten. Ist das nicht ein schöner Gedanke?

4. Nutze die Zeit, die du hast

Abschied zu nehmen von geliebten Menschen macht mir immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, die Zeit zu nutzen, die wir auf Erden haben. Leben ist vergänglich und eines Tages stirbt ein jeder von uns. Das mag für den ein oder anderen vielleicht melancholisch klingen, aber so ist es keinesfalls gemeint. Denn die Zeit, die wir miteinander haben, mag sie auch noch so kurz zu sein scheinen, können wir immer nutzen und bewusst erleben. Wenn wir die Zeit bewusst nutzen, können aus ein paar Minuten gefühlt eine Stunde werden.

Verplempern wir also unsere Lebenszeit nicht mit Dingen, an die wir uns am Ende unseres Lebens nicht gern erinnern. Sondern entscheiden wir uns jeden Tag neu, ein unglaubliches Leben zu leben und etwas zu hinterlassen, an das wir uns gern erinnern. Denn meiner Ansicht nach ist der schönste Gedanke, den man am Ende seines Lebens denken kann: "Ich habe jeden Tag meines Lebens genutzt."

5. Alles geschieht aus einem bestimmten Grund

Einen letzten Gedanken möchte ich dir noch mit auf den Weg geben: "Alles geschieht aus einem bestimmten Grund". Wenn ich eins durch die Verluste in meinem Leben gelernt habe, dann ist es diese Erkenntnis. Alles geschieht aus einem bestimmten Grund. Jede Herausforderung in unserem Leben - so groß sie auch sein mag - ist für uns die Chance zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Durch nichts auf der Welt bin ich so sehr gewachsen wie durch die Verluste und schwierigen Aufgaben in meinem Leben. Wir haben immer die Wahl uns gegen oder für das Leben zu entscheiden; ich habe mich für das Leben entschieden und die Herausforderung angenommen, die mit dieser Entscheidung einhergehen. Ich habe jede Herausforderung als eine Chance gesehen zu wachsen und nicht daran geglaubt, was andere Menschen sagten: "Das ist die schlimmste Erfahrung, die du in deinem Leben machen wirst!".

Ich habe aus etwas, was die Tragödie meines Lebens hätte werden können, etwas gemacht, das mich jeden Tag meines restlichen Lebens wachsen ließ, indem ich hingesehen habe und die 5 Punkte umgesetzt habe, die du hier lesen kannst. Ich habe die Trauer nie weggeschoben und verdrängt sondern sie zu- und irgendwann losgelassen. Und ich habe gelernt, dass alles im Leben einen Sinn hat, wenn wir es aus einer anderen Perspektive betrachten. Viele Erkenntnisse hätte ich vielleicht nicht gehabt, hätte ich nicht meine Familie verloren und ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin.

Durch meine Begegnung mit dem Tod habe ich gelernt das Leben zu lieben und zu schätzen und die Vergänglichkeit - als Teil des ewigen Kreislaufes -  zu würdigen.

 

Ich hoffe sehr, dass dir meine Gedanken und Erkenntnisse in deinem Leben weiterhelfen und dir eine andere Sichtweise auf die Dinge ermöglichen. Auch wenn du gerade keinen Verlust erlitten hast, werden dir diese Gedanken sicher in deinem Leben weiterhelfen.

 

Ich danke dir von Herzen, für deine Treue, auch in Zeiten der Stille hier auf dem Blog und bedanke mich mit einer Verlosung für diese Treue. Verlost wird das Buch "Wege zum Selbst: Östliche und westliche Ansätze zu persönlichem Wachstum" von Ken Wilber. Teilnahmebedingungen zur Verlosung findest du auf Instagram.

 

Alles Liebe für dich und bis bald,

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